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Warum verschlüsseln?

Vorratsdatenspeicherung, NSA-Skandal, Bundestrojaner.

Themen die uns in den letzten Wochen und Jahren immer wieder begegnet sind. Jedes Mal ging es dabei um neugierige Behörden und staatliche Stellen, die zum vermeintlichen Schutz der Bevölkerung bereit waren, diese zu überwachen. Stets unter der Annahme, dass ein weniger an Datenschutz automatisch ein mehr an Sicherheit sei.

Ich habe nichts zu verbergen

Die Standardantwort, falls jemand auf Datenschutz im Allgemeinen und Verschlüsselung im Besonderen angesprochen wird. Beim Bankgeheimnis sieht die Sache aber schnell anders aus, wie man zum Beispiel in Österreich sehen kann.

Aber selbst wenn man der Meinung sein sollte, gegenüber staatlichen Stellen nichts verbergen zu haben, lohnt sich eine Verschlüsselung. So kann man beispielsweise verhindern, dass eigene Emails von Fremden gelesen werden, Daten von gestohlenen Festplatten und Notebooks ausgelesen werden oder Unbefugte mit den Urlaubsfotos in der Cloud Unfug treiben.

Aber für mich interessiert sich doch eh keiner

Das Verschwinden in der Masse brachte früher eine gewisse Sicherheit vor Überwachung, zumindest in den meisten Staaten der Welt. In der heutigen Zeit mit günstigem Speicherplatz und billiger Rechenleistung ist es aber sehr leicht große Datenmenge zu speichern und oftmals auch auszuwerten. Daher wird es zunehmend attraktiv anstatt der Überwachung einzelner Übeltäter gleich große Teile der Kommunikation präventiv auszuwerten.

Gleichzeitig muss man leider davon ausgehen, dass Datenbestände, die einmal eingelegt sind, früher oder später auch zweckfremd eingesetzt werden. Die Verlockung scheint zu groß, als dass Politiker und Vertreter von Polizei und Geheimdiensten widerstehen könnten.

Datenschutz ist doch Sache der Politik

In der Tat regeln staatliche Gesetze und auch zwischenstaatliche Abkommen den Datenschutz in den meisten Ländern dieser Welt. In Deutschland beispielsweise das Datenschutzgesetz.

Dabei gibt es allerdings zwei Probleme. Zum einen regeln die staatlichen Datenschutzgesetze in vielen Fällen nur, was mit den Daten passiert, solange sie sich auf dem jeweiligen Staatsgebiet befinden. Der Server auf dem meine Emails liegen, muss also in Deutschland stehen oder zumindest muss es ein Emailanbieter sein, der deutschem Recht unterworfen ist. Oftmals ist das nicht der Fall. Daher gelten dann teilweise deutlich weniger strenge Datenschutzbestimmungen anderer Staaten.

Gleichzeitig ist die staatliche Gesetzgebung in allen Bereichen unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt. Adresshändler, Marketing-Unternehmen, Anbieter sozialer Netzwerke, aber auch staatliche Stellen haben ein Interesse an richtigen und vor allem auch nutzbaren persönlichen Daten, da entweder ihr Einkommen oder aber ihre Existenzberechtigung davon abhängt. Nicht immer setzen sich daher Vertreter eines strengen Datenschutzes durch.

Aber Verschlüsselung ist doch so kompliziert

Eine normale Email kann auf dem Weg zwischen Sender und Empfänger von jeder Zwischenstation gelesen und verändert werden. Sie entspricht damit einer Postkarte, auf die mit Bleistift eine Nachricht geschrieben wurde. Ähnliches trifft auf viele Chatprogramme zu, solange die Verbindung zum Server nicht verschlüsselt wird.

Um sicher zu gehen, dass zum einen die eigentliche Nachricht nicht verändert und zum anderen auch unterwegs nicht von Dritten gelesen wurde, kann man Emails, Chats und mit einigem Aufwand auch SMS und Sprachnachrichten verschlüsseln. Ebenso kann man einzelne Dateien oder auch ganze Festplatten verschlüsseln, um zu verhindern, dass sie von dritten gelesen und geändert werden.

Anders als viele glauben, ist das nicht besonders schwierig. Sowohl für Emails und für Chats aber auch auch für ganze Verzeichnisse und Datenträger gibt es gute und kostenlose Software, die einfach zu bedienen ist.

In den nächsten Wochen werden dazu Stück für Stück Anleitungen veröffentlicht, die exemplarisch für Mac OS X und Windows zeigen, wie es geht.